20. November - Oliven ernten - eine harte Arbeit

20.11.2015

Die Reise geht weiter nach Finikounta, dem westlichsten Zipfel des Peleponnes. Dort besitzt Gusti, ein Bekannter von uns, mit einer Gruppe von andern drei Häuser, die in mehrere Wohnungen unterteilt sind. Sie sind geräumig, mit riesigem Balkon und herrlicher Meersicht. Doch wie sich herausstellt, kommen wir gar nicht dazu, sie zu geniessen. Denn morgens um acht fahren wir jeweils los nach Pilos. Dort betreiben Giota und Angelos einen grossen, biologisch angebauten Olivenhain. Wir werden ihnen diese Woche bei der Ernte helfen, zusammen mit zehn andern Leuten; Griechen, Albaner, Bengalen und Schweizer. Wir verstehen bald, dass hier hart gearbeitet wird, jedeR gibt das beste.

Zur Information: Hier wird meistens die Koroneiki Olive angebaut, die kurz vor der Reife, also noch grün geerntet werden muss. Das heisst, dass die Früchte nicht von selbst auf den Boden fallen sondern vom Ast weggezogen werden müssen.

Grosse Netze werden flächendeckend nahtlos unter die Bäume gelegt. Dann kommt Angelos mit der Stangenkettensäge und stutzt den Baum. Kaum hat er genügend Triebe abgeschnitten, geht er weiter zum nächsten Baum, wo bereits schon Netze ausgelegt wurden.

Die getrennten Äste fallen zu Boden, sie werden nun auf eine Maschine mit einem grossen, runden, sich drehenden Kamm gehalten. Der Ast wird so lange über die Kämmmaschine gezogen, bis keine Früchte mehr daran hängen. Zum Teil sind diese Äste bis zu zwei Meter lang und sehr schwer. Unten an der Maschine hängt ein Jutesack, sodass die Oliven direkt da hinein geleitet werden. Doch längst nicht alle Oliven fallen in den Sack. Viele fliegen durch die Luft, auf die Netze.

Nun kommt der Nächste, mit dem „Mixer“, wie er von uns genannt wird. Ein am Ende einer langen Stange sich drehender Kamm, der die Oliven von den verbliebenen Ästen runterholt. Auch das ist eine strenge Arbeit, da man die Stange bezw. den Kamm über alle noch am Baum hängenden Äste streichen muss, bis sie leer sind. Eine Arbeit, die in die Arme geht. Die so geernteten Früchte fallen auf die Netze.

Während die Arbeiter mit ihren Maschinen weiterziehen, kommt jetzt noch der letzte Teil. Die Oliven werden auf den Netzen zu einem Haufen zusammengeschüttet. Darunter hat es auch sehr viele Ästchen und Blätter. Es gilt nun, das Gute vom Schlechten zu trennen. Dazu gibt es ein grobes Sortiersieb, das von Hand hin und her bewegt wird. Dabei fallen vorwiegend nur die Früchte und einzelne Blätter durch das Gitter. Diese rutschen unten trichterförmig aus dem Gerät direkt in einen Sack. Ist ein Sack voll, wird ein neuer angehängt. Ein voller Sack wiegt etwa 40 bis 50 Kilogramm.

Kaum ist ein Netz von Oliven befreit, wird es dahin weiter gezogen und ausgebreitet, wo demnächst geerntet wird. Pro Tag haben wir so etwa zwei Tonnen Oliven geerntet.

Giota hilft mit, doch gegen zwölf Uhr verschwindet sie in der Küche, um auf 14:00 Uhr das Mittagessen für uns alle zuzubereiten. Sie kocht wunderbar gut. Immer frisches Gemüse und Salat aus dem Garten, selbst zubereiteter Ziegenkäse von den eigenen Ziegen, selbst gebackenes Brot, eigenes Olivenöl und guten Biowein. Ja, richtig, es wird getrunken am Mittag, ausgelassen gelacht und parliert. Es ist laut, alle Zwölf reden und lachen gleichzeitig. Doch das ist wichtig und hält die Gruppe zusammen. Der Wein ist schnell wieder ausgeschwitzt, denn die körperliche Arbeit bei über zwanzig Grad bringt alle zum schwitzen. Überhaupt ist es unglaublich und schön zugleich, wie gut wir zusammenarbeiten, ohne einander zu kennen.

Wenn wir abends nach 17:00 Uhr alle todmüde nach Hause fahren, begibt sich Angelos mit seinem “Agrotiko“, voll von Säcken beladen, zur Olivenpresse. Spätestens innerhalb des nächsten Tages müssen die Früchte gepresst werden.

Nach drei Tagen Arbeit müssen Koni und ich einen Tag Pause einschalten. Alles schmerzt, der Rücken, die Beine, Arme, Hände. Alle Achtung vor den Menschen, die diese Arbeit während der Erntezeit über Wochen verrichten!

Wir sind dankbar, dass wir durch Gusti die Gelegenheit haben, in den Prozess der Olivenölproduktion Einblick zu erhalten. Durch viele Gespräche mit Fachleuten aus erster Hand und auch durch den Einblick in viele grosse Olivenpressen wissen jetzt, was ein gutes Öl ausmacht. Wir wissen auch, dass ein Öl von gelesenen Oliven viel gehaltvoller und gesünder ist, als ein Öl aus Oliven, die reif zu Boden fallen und erst Tage danach gepresst werden. Und wir wissen, dass das Olivenöl, das in den Läden steht, meist gepanscht wurde, leider.

Die Ernte wird Giota und Angelos noch lange beschäftigen. Sind alle Bäume erst abgeerntet, bleiben riesige Haufen von Holz übrig. Dünne Äste werden direkt verbrannt, die groben abgeastet und zu Scheiten zersägt, für kalte Zeiten im Winter aufgestapelt. In dieser Jahreszeit brennen überall kleine Feuer in den Olivenhainen, ein typischer Herbstgeruch....

8. November - Mani: Besuch in der Ölmühle

08.11.2015

Während wir in Mani herumreisen, beginnt auch schon die Olivenernte. Voller Tatendrang stehen überall Menschen in ihren Olivenhainen, arbeiten hart vom Morgen früh bis zum Einnachten. Dann geht's ab in die Olivenpresse, wo die Bauern manchmal direkt darauf warten, bis ihre Früchte verarbeitet werden und sie ihr Öl in Empfang nehmen können. Wir „strecken unsern Kopf“ in zwei der fünf Ölpressen von Mani. Ich zögere, weil ich fürchte, dass wir die Leute bei ihrer Arbeit stören. Keineswegs. Im Gegenteil, sie sind erfreut, dass wir uns dafür interessieren. Mit Stolz erklären sie uns alle Stationen, die die Oliven durchlaufen, bis am Ende ein grünes, herbes Öl aus dem Hahn fliesst:

Zuerst bläst es die Früchte durch ein Rohr zu einem Wasserbecken hinauf, wo sie gewaschen werden. Kleine Ästchen und Blätter schwimmen dabei obenauf und sind so einfach von den Oliven zu trennen. Die gesäuberten Oliven werden nun von einer schweren Edelstahl-Mühle zu einem dicken Brei zerquetscht und in einem grossen Behälter mit wenig Wasser vermischt und gerührt. Die Temperatur sollte 27 Grad nicht übersteigen, damit wertvolle Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Diese Masse gelangt jetzt in die Presse.

Es entsteht einerseits das Öl, andererseits fliesst hier aber auch toxisches Fruchtwasser ab, das hinausgeleitet wird. Ebenfalls fällt der Trester an, der zur zweiten Pressung für minderwertiges Öl weiterverkauft wird. Das entstandene Öl wird nun mit Wasser gewaschen und von Schmutzstoffen befreit. Ein kräftig grünes Öl ist das Endprodukt. Grün deshalb, weil die Koroneiki – Olive grün, also noch unreif geerntet wird. Das Öl weist einen charakteristisch bitteren Geschmack auf. Der Grund dafür ist ein Phenol namens Oleuropein. Oleuropein ist gesund und befindet sich nur in der unreifen Frucht. Es nimmt während dem Reifungsprozess ab und verschwindet dann fast in der reifen Olive. Gegebenenfalls wird das Olivenöl ein weiteres Mal mit Wasser gereinigt, gefiltert und in Flaschen abgefüllt.