31. Oktober - Auf der Fähre von Kissamos nach Gythio

31.10.2015

Von Kissamos/Kreta geht's nun per Schiff Richtung Githio/Kalamata. Alles ist mit dabei, unser Auto, das Gepäck und nur noch wenige griechische Fahrgäste. Es ist die letzte Fahrt der Fähre vor dem Winter. Wegen rauher See wird der Betrieb auf dieser Strecke über den Winter jeweils eingestellt.

Die Überfahrt aufs Festland gleicht einem Film. Während wir normalerweise interessiert dem Einschiffen von der Reling aus zuschauen, pfeift einem dort der Wind derart um die Ohren dass wir es vorziehen, im Aufenthaltsraum zu bleiben. Kaum hat die Fähre losgelegt, spürt man auch schon die Wogen ganz deutlich. In weiser Voraussicht haben wir einen Platz in der Mitte des Schiffs gewählt, wo es am ruhigsten ist. Doch auch hier stampft das Schiff bei jeder Woge, die Leute torkeln wie betrunken im Schiff umher und bald schon wird es den ersten Gästen schlecht.

Ein Gang zur nahegelegenen Bar gibt auch mir den Rest. Koni rät, aus dem Fenster zu schauen oder hinaus an die Reling zu gehen um frische Luft zu schnappen. Gut Idee, ich folge seinem Rat und wanke in den oberen Stock , hinaus. Der Wind stösst mich fast um, ich halte mich am Geländer fest, gehe noch weiter hinauf, ein wildes Treiben auf dem Meer, unglaublich. Doch was höre ich? Da ist noch jemand... Es ist ihr schlecht. Nun muss ich mich zusammenreissen, nicht hinschauen, stark bleiben....

Es geht nicht lange, und ich fühle mich tatsächlich besser. Der Wind hat mich durchgefegt und kräftig erfrischt, ich fühle mich wieder munter!

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29. Oktober - Stürmische und ruhige Tage in Chania

29.10.2015

Wo sonst an der Promenade die voll besetzten Tischchen der Kaffees stehen, schwappen jetzt wilde Wellen des Meers hinauf. Alles leegeräumt, mit Brettern verbarrikadiert, dass keine Steine in die Räume geschwemmt werden. Am Himmel ballen sich schwarze Wolken zusammen, Wind zerzaust die Haare, auch ganz schön. Ob wir dieses Jahr nochmals baden , steht in den Sternen.

Wir entdecken Chania neu. Neu, weil wir uns nicht nur im Touristenviertel aufhalten, sondern weitere Kreise in die einheimischen Quartiere ziehen. Die Stadt ist voller Bars und Restaurants. Fast alle mit ansprechendendem, gemütlichen Ambiente, aufmerksamem Personal und guter Musik. An Speisen gibt es hier sowas wie eine Auswahl, es muss nicht immer Griechisch sein. Auch schmucke Ladenstrassen existieren, die uns zum Einkaufen verleiten. Unsere Bleibe, das Palazzo Hotel, ist dieses Mal etwas einfacher als auch schon hier, dafür überaus gemütlich. Es gehört einer lieben, älteren Frau die Wärme ausstrahlt und kontaktfreudig ist. Für einen Moment bereue ich, dass wir uns für das Griechischstudium nicht hier niederlassen werden. Doch das Argument von Koni sticht: In Athen kennen wir bereits liebe Leute.

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25. Oktober - Vassili Stavrakakis und Stelios Petrakis in Iraklion

27.10.2015

Warme Kleidung ist nun angesagt. Es regnet und stürmt auch hier Ende Oktober. Die Wellen im Meer werden wuchtig, schlagen an die Hafenmauer und spritzen hinüber auf die Strasse. Schwarze Wolken ballen sich am Himmel zusammen, das Thermometer fällt unter 20 Grad.

Bis wir am nächsten Mittwoch mit der Fähre nach Kalamata fahren, wollen wir das Stadtleben in Heraklion und Chania kennenlernen. Iráklion haben wir bis jetzt immer links liegengelassen trotz der grossen Fussgängerzone, den vielen schönen Kaffees, den schmucken Kleiderläden. Trotz dem drei Kilometer langen venezianischen Mauergürtel und dem hübschen Hafen. Eine lebendige Universitätsstadt voller Leben. Eine Stadt mit einem modernen archäologischen Nationalmuseum, in welchem wir an der Ausstellung über die minoische Kultur unter anderem den berühmten Diskos von Festós, schöne Töpfereien, Sarkophage und wunderschöne Wandfresken aus dem Palast von Knossos ansprechend präsentiert sehen.

Das Konzert

Koni will in Iraklion in den aerakis Music Store, einen interessanten CD Shop mit grosser Auswahl an traditioneller kretischer Musik. Im Gespräch mit der Besitzerin des Ladens erfahren wir, dass am Freitagabend ein Konzert von Vasillis Stavrakakis stattfindet. Traditionelle kretische Musik mit Lauten, Lyra, Perkussion und Gesang.

Das ganze Ladenpersonal ist darum bemüht, uns die nötigen Informationen zum Konzert zukommen zu lassen. Zufällig sitzt der Organisator gerade gegenüber im Kaffe. Der Anlass soll um etwa 23 Uhr beginnen.

Pünktlich wie die Schweizer treffen wir um diese Zeit ein. Und sind die ersten. Ein grosser Konzertraum mit vielen Tischen, diejenigen mit guter Sicht zur Bühne sind alle vorreserviert. Die Platzanweiserin berät uns gut und so finden wir doch noch einen guten Platz. Jannis, der Organisator des Konzerts hat uns erblickt und kommt auf uns zu. Ihr seid doch die Schweizer, die gestern im aerakis Music Store wart? Seid ihr zufrieden mit eurem Platz? Falls nicht, sucht er uns gerne was besseres.

Innerhalb einer Stunde füllt sich der Raum langsam mit Menschen. War es anfangs noch ruhig, steigt nun stetig der Lärmpegel. Etwa 300 Leute im Alter zwischen 20 und 70, wir sind die einzigen Touristen. Bestellungen werden entgegen genommen, viel Alkohol der harten Sorte. Gottlob gibt's eine Lüftung, denn die Griechen sind ein Volk von Rauchern. Nach und nach steigen die Musiker auf die Bühne und etwa eine halbe Stunde nach Mitternacht beginnt das Konzert. Die Stimmung kommt in Schwung, zu bestimmten Passagen wird im Rhythmus geklatscht oder gesungen, später dann getanzt.

Plötzlich wird uns Weisswein serviert, spendiert von Jannis. Er setzt sich gar an unseren Tisch und unterhält sich mit uns. Das ist allerdings etwas schwierig, auf Griechisch in diesem Wahnsinnslärm! Er freut sich, dass es uns hier gefällt und wir freuen uns ebenfalls über die Freundlichkeit dieses Herrn, der heute Abend gewiss Wichtigeres zu tun hätte als sich um uns zu kümmern...

Koni: 

Hier vorerst mal ein kurzes Video zu vorgerückter Stunde: Die Tänzer versuchen sich zur Lyra von Stelios Petrakis. Die Stimmung ist, halb vier am Morgen, noch nicht am Höhepunkt angelangt, aber wir sind doch langsam müde... 

 

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20. Oktober - Gemischte Gefühle in Sougia

20.10.2015


Von Mátala über Rethymnon und Chania fahren wir nach Sougia. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit einem Ort, den wir schon mehrmals besucht haben, und an den wir gute Erinnerungen knüpfen. Mitte Oktober braucht man kein Zimmer mehr im Voraus zu buchen, so denken wir. Und sowieso sehen wir sie gerne in Natura, werden die Unterkünfte im Internet doch meistens von der besten Seite her gezeigt, was oft nicht der Wirklichkeit entspricht. So auch in Sougia.

Wider Erwarten ist das Dorf mit Touristen vollgestopft, Wandervögel, Wildcamper, Sonnenhungrige. Die Nachbarn aus dem Norden nehmen mehr und mehr Überhand und fühlen sich ganz wie zu Hause, nicht nur politisch.... Zitat eines griechischen Beizers in Sougia: Ich fühle mich hier wie in Deutschland, sie schlagen sich so richtig breit. Das fällt auch uns auf. Am schönen Strand besetzen sie über Nacht ihren Stammplatz mit ihren mitgebrachten Luftmatratzen, Sonnenschirmen und Matten.

Nachdem wir in drei ausgebuchten Hotels abblitzen, schauen wir uns ein Zimmer etwas abseits des Meeres an. Zwei einfache Räume für 65€ scheinen uns wohl ein stolzer Preis, aber wer weiss, ob wir sonst noch wo unterkommen... Koni und ich logieren im Parterre, David im ersten Stock. Wie wir unsere Habe verstauen wollen merken wir erst, dass in dieser engen Loge gar kein leerer Kasten existiert. Auch können die Schubladen nicht geöffnet werden, da die Griffe abgefallen sind. Das WC rinnt und sitzt man auf’s Bett knallt es laut, weil eine Stahlfeder kaputt ist. In der Küchennische gibt es weder Tassen noch Löffel und Messer, dafür ein Dutzend Gabeln, und so weiter und so fort. Die Vermieterin ist ganz erstaunt, dass es uns bei ihr nicht gefällt, wir seien die Ersten, die sich beschweren. Ob das wirklich stimmt?

Am nächsten Morgen platzt uns der Kragen, wir gehen auf die Suche nach etwas Besserem und werden an der Strandpromenade fündig. Wohl teurer, aber wenigstens haben wir genügend Platz und auch einen Kasten. Trotzdem sind wir, seitdem wir in Griechenland reisen, nie derart lieblosen Unterkünften begegnet wie hier in Sougia. Das Mobiliar ist meist über zwanzig jährig. Was kaputt ist, wird bestenfalls notdürftig geflickt. Abfallkübel müssen von den Gästen selbst geleert werden, die sanitären Einrichtungen sind veraltet und schmuddelig. Man erhält das Gefühl, dass die Touristen hier gar alles in Kauf nehmen, einfach bezahlen, egal für was. Was zählt, (beziehungsweise zahlt) ist der einzigartig schöne Strand, die Sonne, und dafür müssen die Zimmervermieter rein gar nichts unternehmen. Ich glaube nicht, dass wir so rasch wieder hierher zurückkehren werden.

Oder sind wir langsam etwas reisemüde?

P.S. Versöhnung:

Sougia ist nach wie vor ein Ort, von dem aus viele schöne Wanderungen unternommen werden können. Ein Ort mit einem superguten Restaurant, dem Galini. Und ein Ort, wo das Wasser kristallklar zum Baden lädt. An den vielen Felsen kann frei geklettert werden und die Mutigen springen gar von ihnen runter ins Wasser. Die Menschen, die es hierher zieht, sind unkompliziert, naturliebend, angenehm. Also doch nicht reisemüde?

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15. Oktober - Matala

18.10.2015

Prolog

Eigentlich wollten wir gar nicht hierher. Mátala ist längst dem Pauschaltourismus verfallen, mit Hotelpalästen überbaut...dachten wir.

Klar, es hat allerlei Volk hier, viele Souvenirläden und mit Griechen kommt man kaum in näheren Kontakt. Das Dorf versucht dem Trend standzuhalten, doch es hat eine offene, gemütliche Atmosphäre. Viele Bäume, Blumen, bemalte Strässchen, überall wird man an die 68-iger Flowerpower Jahre erinnert. Liebevoll geschmückt und sauber. Zum Andenken an die Hippiezeit findet im Dorf jeweils im Juni das Mátala Beach Festival statt.

Romantischer kann man sich einen Strand kaum mehr vorstellen, tagsüber aber auch nachts. Eingebettet zwischen zwei vorspringenden Kaps am Ausgang eines fruchtbaren Tals gegen Westen, liegt die Bucht von Mátala. Wie ein Emmentaler steigt der nördliche Sandsteinrücken zur Rechten, voller Löcher. Es sind Höhlen, in der Jungsteinzeit entstanden. Die Menschen damals schufen ein richtiges Höhlensystem. Schmucke Zwei- bis Dreizimmerwohnungen mit in den Stein gehauenen Kästchen und Liegen.

Die ersten Christen begruben ihre Toten in der Felswand. Zu Hippiezeiten wurden die Höhlen von jungen Menschen aus aller Welt als Wohnungen benutzt. Heute stehen sie unter Denkmalschutz und können für 3€ pro Person besichtigt werden. Nachts ist die gesamte Felsenfront mit Scheinwerfern stimmungsvoll beleuchtet und wirkt dabei wie eine Kulisse, wunderschön. Wir sind froh, dass wir den Ort erst jetzt im Herbst besuchen. Noch immer hat es für unsern Geschmack reichlich Touristen. Im Sommer aber muss es hier von Fremden nur so wimmeln. Dann entleeren sich täglich dutzende von Reisebussen von der Nordküste her, begreiflicherweise!

Wir wandern eine halbe Stunde in der Mittagshitze über den südlichen Sandsteinrücken an die Read Beach. Der Sand dort ist rötlich – gelb, leichte Wellen laden zum Spiel im Wasser, noch ist es warm wie im Sommer. Morgen wollen wir nochmals dahin, dann fahren wir nach Heraklion zum Flughafen, um David zu empfangen. Wir freuen uns auf die Zeit mit ihm!

Jetzt ist David da und mit ihm ein recht bedeckter Himmel. Was tun? Zum Beispiel durch die Agiofárango – Schlucht an den kleinen Kiesstrand wandern. Wir parkieren unser Auto dort, wo die Strasse zu holprig wird und spazieren eine halbe Stunde meerwärts. Zwischendurch nieselt es, trotzdem ist es angenehm warm. Das Meer aber tobt, wirft hohe Wellen an die felsige Küste. David ist der erste, der sich in die wilden Wogen wagt, seinem Beispiel folgen rasch auch andere. Ich schaue der schäumenden Wucht lange und mit viel Respekt zu, zaudere. Dann reicht mir Koni die Hand und zieht mich rein in das Geschehen.

Auch am nächsten Tag geniessen wir die Wellen. Was für eine wuchtige Energie, unaufhörlich zieht sie an Land! Jetzt hat es auch mich gepackt... Wir Drei verbringen eine gute Stunde im Wasser, tauchen unter den Riesenwellen durch oder lassen uns von ihnen ein Stück weit mittragen. Koni, der Fotograf, mit seiner wasserdichten Kamera an der Hand. Doch da kommt eine geballte Wucht auf uns zugerollt, es spült uns kreuz und quer durchs Wasser. Die Kamera hat’s ihm aus der Hand gerissen! Weg, liegt irgendwo auf dem Meeresgrund, das musste ja so kommen!!! Koni eilt aus dem Wasser, holt die Schwimmbrille. Meint er wirklich, dass er die so wieder findet? Aussichtslos in diesem Strudel. Alle suchen wir, spüren mit den Füssen, für etwa zehn Minuten....doch da stehe ich auf etwas Viereckiges, so spüre ich genau, was für ein Glück! Sie ist es, sie funktioniert noch, eine echte wasserdichte Wasserkamera.

Koni: Für die, die es wundernimmt – es ist eine Nikon Coolpix AW 110. Die meisten Fotos schiesse ich mit dieser kleinen, leichten Kamera, weil sie täglich überall mitkommt, und die Qualität stimmt. Nachdem ich sie verloren habe, hat die Kamera unter Wasser weitergefilmt, bis Eva sie wieder aus dem Wasser hob und mir zurückgab. Alles dokumentiert in diesem Video.

Die Kamera ist nach dieser groben Behandlung vollkommen intakt, keine Kratzer, keine Feuchtigkeit, die eingedrungen ist, alles OK. Eine echte Nikon eben.

9. Oktober - Myrtos

12.10.2015

Mírtos, ein kleiner Ort nach Ierapetra. Hier finden wir eine Dreizimmerwohnung. Nach der engen Loge in Kato Zakros ein wahrer Luxus! Fünf Nächte geniessen wir die geräumige Wohnküche, zwei Schlafzimmer, zwei Badezimmer und zwei Balkone! Sie wäre für vier Leute gedacht, doch die Zweier - Studios sind alle vermietet. Herrlich, uns ausbreiten zu können, nicht alles im selben Zimmer verrichten zu müssen. Wir kochen, lesen, schreiben, wohnen.

Und machen Ausflüge:

Eine Rundwanderung durch den Wald im Hinterland. Sie beginnt in Selákano, einem winzigen Dörfchen im Gebirge. Ein seltener Wald mit Steineichen, Zedern, Zypressen. Die Sonne wärmt das Holz, es riecht herrlich. Es summt: Hier leben viele Bauern von der Honigproduktion. Hunderte von Bienenkästen stehen in Reih und Glied auf Waldlichtungen. Die Wirtin in Selákanos erklärt uns, wo wir ein Glas Honig erstehen können. Mmh, wunderbar gut ist er…

Wir fahren dem Meer entlang in Richtung Westen bis Arvi: Gewächshäuser soweit das Auge reicht: Gemüse, Bananenkulturen. Lieblos stehen die ausgedienten Anlagen mit zerrissenen Plastikdächern in der Gegend. Auf Google Maps (https://goo.gl/maps/97H7VFcKtmQ2) sieht man sie genau: Von Gouduras an der Küste entlang Richtung Westen wird jede Fläche für Treibhäuser genutzt, ausser an Orten mit archäologischen Funden. Sie sind fürs Auge ein Hammerschlag!

Arvi selbst, ein Dorf, das einen gänzlich verlorenen Eindruck hinterlässt. Jeder baut dort wie es ihm gefällt, ohne Koordination, ohne jeglichen Geschmack. Viele Bauruinen mitten im Dorf, welche als gedeckte Parkplätze dienen oder in welchen sich mal jemand im untersten Stock eingenistet hat. Billige Arbeitskräfte stehen herum, sind es Pakistani oder Albaner? Auch sie sehen verloren aus...

Besuch der Sarakína-Schlucht. Um durch die Schlucht zu gelangen, muss über Felsbrocken bis zu vier Metern Höhe gekraxelt werden. Zwischendurch überquert man das enge Flussbett mehrmals, am besten barfuss oder in Badeschuhen. Zu beiden Seiten hohe, überhängende Felswände. Wir treffen unternehmungslustige Menschen, Menschen, die Natur pur suchen. Danach das fast obligate Schwimmen im Meer, es ist immer noch angenehm warm. Lesen am Strand bis die Sonne hinter den Bergen verschwindet. Herrlich, diese Wärme, ich kann mich nicht satt wärmen, immer noch sonnenhungrig.

4. Oktober - Kato Zakros und Umgebung

04.10.2015

Wie uns Roger, der Schriftsteller aus Diafani geraten hat, wollen wir nach Kato Zakros. Das Dorf liegt direkt am Meer. Nur eine Strasse die dahin geht, keine die weiter führt, Endstation. Etwa sieben Restaurants reihen sich dem Strand entlang. In der Umgebung werden Studios angeboten. Weil die Preise im Vergleich zu Diafani völlig überteuert sind, entschliessen wir uns für die billige Variante und landen in einem eher schäbigen Zimmer. Kaum Platz für unser Gepäck, kaum Privatsphäre, mürrische Nachbarn.... Dazu kommt, dass uns in Kato Zakros das Dorfleben fehlt. Der Ort scheint viele französische und englische Touristen anzusprechen. Sie verziehen sich hierher vor der Kälte im Herbst, einige unter ihnen besitzen ein Haus in der Gegend.

Es wird gewandert hier, das merkt man schnell. Kato Zakros, am unteren Ende des Tals der Toten, einer Schlucht, bietet vielfältige und gut signalisierte Rundwege. Die Felswände der Schlucht sind mit kleinen Höhlen durchlöchert, die Minoer benutzten diese als Gräber für ihre Toten. Überall stösst man hier auf Hinterlassenschaften der Minoer: In Kato Zakros, beim Schluchteingang, sind noch Mauerreste des einstigen Palastes zu sehen. Einst lag hier ein wichtiger Hafen für den Handel mit Asien, Ägypten, in jüngerer Zeit wahrscheinlich gar mit Skandinavien.

Orte, an welchen Ausgrabungen zu sehen sind dürfen vom Staat aus nicht weiter überbaut werden. Dieses Gesetz hat auch ästhetische Vorteile.

Ausflug auf einen anderen Planeten

Eines unserer Ziele ist ein Besuch der Tropfsteinhöhle Pelekíta. Wir folgen dem Fernwanderweg E4. Er beginnt am Dorfrand, gut signalisiert. Wie üblich starten wir spät, um 14:00 Uhr. Kein Mensch ist unterwegs.

Gleich zu Beginn ist der Pfad unmissverständlich steinig, die Landschaft stellt man sich so eher auf dem Mond oder dem Mars vor. Eine endlose Steinwüste. Kein Baum, nur Karst mit niedrigen, stacheligen Büschchen, alles ausgetrocknet. Einzig die kunstvollen Steinmannli entlang dem Weg zeugen von menschlichem Dasein. Riesige Steinbrocken liegen unterhalb des einstigen Steinbruchs der Minoer. Träge breitet sich das lybische Meer zu unserer Seite aus. Realität oder Fiktion? 1 ¼ Stunden wandern wir wie durch einen Traum und stehen dann vor der Höhle.

Wie im Reiseführer empfohlen, haben wir Taschenlampen mit dabei, wir sind gespannt auf den Rundgang. Aber nein, es soll nicht sein! Der Höhleneingang ist mit Plastikbändern versperrt, in der Höhle sind Ausgrabungen im Gang, leider...

So wandern wir weitere zweieinhalb Stunden durch die Mondlandschaftund und beenden unseren Rundgang zufrieden und erfüllt von der Entdeckung der uns vor Kurzem noch fremden Landschaft. Einer Landschaft, die man nicht auf den ersten Blick gleich liebt, in die man sich zuerst einlaufen muss.

Oliven, Wasser, Musik...

Jeden Tag unternehmen wir einen Ausflug in die Umgebung, schauen uns die mächtige Quelle oberhalb von Zakros an. Aus ihr sprudeln stündlich 700 Kubikmeter Wasser, die kräftigste Quelle Ostkretas. Mit dem Wasser dieser Quelle werden über 200‘000 Olivenbäume bewässert.

Oder wir wandern durch die Chochlakies-Schlucht an den schönen Kieselstrand von Karoubes und nehmen dort ein Bad. Kein Mensch weit und breit..

Oder wir fahren mit dem Auto ins Hinterland nach Ziros. Wie wir durch das Dorf streifen, hören wir kretische Musik und bemerken zwei Männer in ihrem Laden. Der Eine hat seine Lyra auf den Verkaufstisch gestellt und fiedelt frisch drauf los. Der Andere sitzt eingeklemmt zwischen Dünger- und Samensäcken auf einem Stuhl und spielt Mandoline. Wenn schon nichts im Laden läuft, läuft zumindest schöne Livemusik!

Mit jedem Tag schlagen wir neue Wurzeln an diesem steinigen Ort, für den wir anfangs wenig empfanden..

Männersache

Ein kleiner Nachtrag von Koni

Auf unserer Fahrt von Kato Zakros zur Südküste nach Ierapetra und weiter nehmen wir für einen Abschnitt eine Nebenstrasse, die über die Lassithi-Hochebene führt. Steinig, einsam, karg. Schafe, Ziegen, verstreut kleine Kirchlein, ärmliche Bauernhöfe... Wir kommen an einer Schafherde vorbei, und wir werden Zeugen eines archaischen Schauspiels. Männersache eben.