Konitsa

30.07.2015

Wie lange dauert die Fahrt von Monodendri nach Konitsa über das Timphigebirge? Endlos.
Kurve um Kurve, bergauf, bergab, Hügel um Hügel. Immer im Wald. Hinter den Hügeln eine Kulisse von hohen Bergen bis zu 2400 Metern. Ich wusste nicht, dass solch weite Wildnis in Europa existiert. So stelle ich mir Kanada vor, nur viel, viel kälter.
Nach iliochori ist die Strasse unbeschreiblich. Voller Löcher, Steinbrocken mittendrin. Eingewachsene Strassenränder, Durchschnittsgeschwindigkeit 30 km/h. Zwischenhalt bei einem im Reiseführer beschriebenen Wasserfall, ein schöner Wanderweg führt dahin. Da, eine wilde Schildkröte! Der Wasserfall fällt in einen großen, tiefen Tümpel. Wir genießen den Schwumm und springen vom Felsen ins erfrischende Nass. Zu Fuss zurück zum Auto und weiter geht die Fahrt. Unvorstellbar was wäre, wenn unser Auto schlapp machen würde; hier in der totalen Abgeschiedenheit.
Doch dann, am Fusse des 2022 m hohen Trapezitisgipfels liegt Konitsa. Die Stadt schaut auf das fruchtbare Tal, das vom Fluss Aóos gespeist wird. Maisfelder zu Hauf, Pfirsichplantagen, Weizen, Melonen und Gemüse. Der Fluss ist nicht kanalisiert, er mäandert in einem Kilometer breiten Bachbett. Lebensader für die griechischen Einwohner hier im hohen Norden, ein Segen aber auch für Albanien, das gerade um die Ecke liegt.
Konitsa als Stadt gefällt uns nicht unbedingt. Um so mehr freuen wir uns an der Schlucht, an die sie grenzt. Durch diese fliesst der Aóos aus den hohen Bergen und bietet allen Menschen, die eine Erfrischung suchen einen wunderschönen Badeplatz. Sie verteilen sich weit hinauf dem Bachbett entlang. Dort wo die Schlucht endet wölbt sich eine im Jahre 1870 erstellte Steinbrücke. Hoch und lang ist sie, imposant. Unglaublich, dass sie hält!
Auch wir freuen uns nach einer strengen Wanderung auf das kühlende Bad. Doch plötzlich rumpelt es. Schlagartig ziehen am Himmel schwarze Wolken auf. Kaum Zeit, aus dem Bach zu steigen und schon regnet es in Strömen. Fluchtartig verziehen sich alle. Platschnass und noch im Badekleid setzen wir uns ins Auto, doch erst dann beginnt der wirkliche Regen. Nein, kein Regen. Der ganze Himmel entleert sich über die Stadt. Innert weniger Minuten verwandeln sich die Strassen zu reißenden Bächen. Wir fahren unter einen schützenden Baum und staunen...