Zu Fuss von Tristomo nach Diafani

05.09.2015

Mein Hexenschuss ist wieder vorbei, jetzt hat dafür Koni einen zünftigen Schnupfen eingefangen.

Dennoch buchen wir auf Mittwoch eine Bootsfahrt nach Tristomo. Tristomo, was so gut heisst wie drei Münder. Sie stehen für die drei Öffnungen der natürlichen Bucht, die ins offene Meer führen. In dieser Bucht, die einst als wichtiger Hafen diente liegt das Dörfchen Tristomo. An der Westseite, fast im Norden der Insel. Weder Strassen gibt es hier, noch wird das Dorf mit Elektrizität versorgt. Der Ort hat eine völlig ruhige, friedliche Ausstrahlung; man lebt da in und mit der Natur.

Nein, ganz verlassen ist Tristomo nicht. Da ist Jannis, der 78 jährige Mann, den wir besuchen. Er hat uns letztes Jahr eine Portion gelbe Erbsen aus seinem Garten geschenkt , obwohl er so gut wie nichts besitzt: Ein Zimmer mit einer einfachen Bettstatt, eine dunkle Küche, eine Zisterne und eventuell ein Plumpsklo.

Jannis ist seit Anfang Juli nicht mehr hier gewesen. Weil seine Frau starb, sagt er und schluchzt los. Was soll ich jetzt noch hier? Alles trostlos, niemand macht Kaffee, niemand kocht.. Seine Frau hatte eine Lungenentzündung. Er fuhr sie in seiner Nussschale nach Diafani. Dort mit dem Auto zum Hauptort der Insel, dann mit dem Helikopter nach Kreta. Für kurze Zeit war sie wieder auf den Beinen, doch dann schlug das Schicksal erneut zu. Das Herz wollte nicht mehr. Sie musste nach Rhodos in den Spital gebracht werden, wo sie verstarb. Nicht einmal hier sterben konnte sie. Erneut bricht der alte Mann in Tränen aus. Er wolle drei Tage hier in Tristomo bleiben, habe Essen für drei Tage dabei, kochen werde er nicht.

Bevor wir weiter gehen fordert er uns auf, unsere Taschen mit frischen Feigen aus seinem Garten zu füllen. Das tun wir gerne. Am Abend werden wir Spaghetti mit Feigensauce kochen und an ihn denken.

Möchte jemand Ferien in Tristomo machen, oder dort gar für längere Zeit wohnen? Mit Solarstrom, Telefonanschluss, Bad und Küche wie in einem rechten Hotel? Einem Teich mit Fischen im Garten, einer Sickergrube für die Toilette, den Abfall in getrennten Behältern? Einem Garten für die Selbstversorgung?

Kein Problem, Manoli von der Iliahtida Villa macht's möglich! Seit zwei Jahren baut er daran, an seiner Vision. Dieser verlassene Fleck der Erde soll wieder bevölkert werden. Ihm schwebt eine Art Lebensgemeinschaft vor, die möglichst autark lebt. All dem angeschwemmten Abfall die Stirne bietet. Er will dem Dorf die Seele wieder geben; kommt ins Philosophieren, seine Augen leuchten. Wir tauschen unsere Emailadressen und versichern ihm, ihn wieder zu besuchen.

Doch wir wollen weiter. Es wartet eine fünf stündige Bergtour zurück nach Diafani auf uns. Eine Wanderung, die wir jedes Jahr machen, mit atemberaubenden Aussichten von den Bergen aus ins Meer hinunter. Von der Anstrengung erhitzt, ein erfrischendes Bad am Strand von Vananda. Dann noch eine halbe Stunde bis Diafani.