10. März - Winter in Athen

10.03.2016

Strafe muss sein...

Vor lauter Griechischlernen ist mir die Lust am Schreiben abhanden gekommen. Je länger man nicht schreibt, desto mehr gibt es zu erzählen, desto komplizierter wird es, das Erlebte zu bündeln... Ein Teufelskreis also.

Wo soll ich auch beginnen? Seit dem 14. November 2015 wohnen wir in Athen. Über airbnb haben wir eine möblierte Wohnung gemietet. Im 7. Stock, mit Sicht an einen kleinen Hang mit Fichten, deren Äste bis auf unseren Balkon ragen. Ruhig ist es hier, obwohl wir uns mitten in einem lärmigen, verkehrsreichen Viertel befinden. Am Morgen erwachen wir mit Vogelgezwitscher. Zur Metro Station läuft man nur zwei Minuten, besser könnte es nicht sein. Was man allerdings in diesen zwei Minuten unterwegs zu sehen kriegt grenzt oft ans Unerträgliche: Komplett überfüllte Mülltonnen, daher oft auch Müll neben den Kontainern, Müll auf dem Trottoir. Hat es lange nicht geregnet, muss man ganz schön aufpassen, dass man nicht in einen Hundekot tritt. Bevor man in die Metro runter steigt, sitzen oben allerhand gestrandete Gestalten... Eine kurze Erinnerung daran, dass es hier so etwas wie eine Krise gibt. Zu unserer besten Freundin ist es zu Fuss eine Viertelstunde, was wollen wir mehr. (Apropos Krise. Darüber schreibe ich ein nächstes mal.)

Vier Mal die Woche gehen wir für 2 ½ Stunden zu Maria, unserer Privatlehrerin. Sie spricht auch Deutsch, das macht Vieles einfacher. Denn die griechische Grammatik ist eher kompliziert, gelinde gesagt. Erst jetzt merken wir, auf was für eine schwierige Sprache wir uns eingelassen haben. Tag für Tag lernen wir, mehr oder weniger motiviert und stellen fest: On n'a plus vingt ans!

Doch es gibt auch Fortschritte: Letztes Wochenende besuchten wir Giota und Angelos. Die Beiden sprechen kaum englisch und trotzdem verbrachten wir zwei wunderschöne Tage mit ihnen. Die Verständigung lief zwar noch holprig, aber irgendwie ging es. Manchmal allerdings entstanden auch lustige Missverständnisse... Wir verstehen besser, als wir sprechen.

Jeden Mittwochabend gehe ich in den Tanzkurs und lerne die Tänze der vielen verschiedenen Inseln und Regionen vom Festland. In einer altersdurchmischten Gruppe, bestehend nur aus Griechinnen und Griechen. Darauf freue ich mich immer besonders.

An den Wochenenden kosten wir das riesige kulturelle Angebot dieser Grossstadt aus. Gehen in einen der vielen Musikclubs, in welchen griechische Livemusik gespielt wird, oder besuchen ein Jazzkonzert. Schauen uns ein Theater an oder besuchen ein Museum. Oft setzen wir uns auch in eine der vielen schönen Tavernen und lassen es uns gut gehen. Ab und zu bekochen wir Gäste oder wir werden eingeladen. Selten nur setzen wir uns ins Auto und besuchen Bekannte in der weiteren Umgebung.

Was uns ganz besonders gefällt ist, dass wir unsere Bergschuhe hier in der Wohnung anziehen können, und in zwanzig Minuten am Fusse des Ymittos sind. Ein langgezogener, 1000 Meter hoher Berg, der wild und steil zu besteigen ist und oben einen fantastischen Ausblick auf die ganze Stadt und weit übers Meer hinaus bietet. Da haben wir schon etliche, ausgiebige Bergtouren gemacht und dabei viel geschwitzt.

Und schon entsteht das Gefühl, hier zu Hause zu sein...

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