20. Oktober - Gemischte Gefühle in Sougia

20.10.2015


Von Mátala über Rethymnon und Chania fahren wir nach Sougia. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit einem Ort, den wir schon mehrmals besucht haben, und an den wir gute Erinnerungen knüpfen. Mitte Oktober braucht man kein Zimmer mehr im Voraus zu buchen, so denken wir. Und sowieso sehen wir sie gerne in Natura, werden die Unterkünfte im Internet doch meistens von der besten Seite her gezeigt, was oft nicht der Wirklichkeit entspricht. So auch in Sougia.

Wider Erwarten ist das Dorf mit Touristen vollgestopft, Wandervögel, Wildcamper, Sonnenhungrige. Die Nachbarn aus dem Norden nehmen mehr und mehr Überhand und fühlen sich ganz wie zu Hause, nicht nur politisch.... Zitat eines griechischen Beizers in Sougia: Ich fühle mich hier wie in Deutschland, sie schlagen sich so richtig breit. Das fällt auch uns auf. Am schönen Strand besetzen sie über Nacht ihren Stammplatz mit ihren mitgebrachten Luftmatratzen, Sonnenschirmen und Matten.

Nachdem wir in drei ausgebuchten Hotels abblitzen, schauen wir uns ein Zimmer etwas abseits des Meeres an. Zwei einfache Räume für 65€ scheinen uns wohl ein stolzer Preis, aber wer weiss, ob wir sonst noch wo unterkommen... Koni und ich logieren im Parterre, David im ersten Stock. Wie wir unsere Habe verstauen wollen merken wir erst, dass in dieser engen Loge gar kein leerer Kasten existiert. Auch können die Schubladen nicht geöffnet werden, da die Griffe abgefallen sind. Das WC rinnt und sitzt man auf’s Bett knallt es laut, weil eine Stahlfeder kaputt ist. In der Küchennische gibt es weder Tassen noch Löffel und Messer, dafür ein Dutzend Gabeln, und so weiter und so fort. Die Vermieterin ist ganz erstaunt, dass es uns bei ihr nicht gefällt, wir seien die Ersten, die sich beschweren. Ob das wirklich stimmt?

Am nächsten Morgen platzt uns der Kragen, wir gehen auf die Suche nach etwas Besserem und werden an der Strandpromenade fündig. Wohl teurer, aber wenigstens haben wir genügend Platz und auch einen Kasten. Trotzdem sind wir, seitdem wir in Griechenland reisen, nie derart lieblosen Unterkünften begegnet wie hier in Sougia. Das Mobiliar ist meist über zwanzig jährig. Was kaputt ist, wird bestenfalls notdürftig geflickt. Abfallkübel müssen von den Gästen selbst geleert werden, die sanitären Einrichtungen sind veraltet und schmuddelig. Man erhält das Gefühl, dass die Touristen hier gar alles in Kauf nehmen, einfach bezahlen, egal für was. Was zählt, (beziehungsweise zahlt) ist der einzigartig schöne Strand, die Sonne, und dafür müssen die Zimmervermieter rein gar nichts unternehmen. Ich glaube nicht, dass wir so rasch wieder hierher zurückkehren werden.

Oder sind wir langsam etwas reisemüde?

P.S. Versöhnung:

Sougia ist nach wie vor ein Ort, von dem aus viele schöne Wanderungen unternommen werden können. Ein Ort mit einem superguten Restaurant, dem Galini. Und ein Ort, wo das Wasser kristallklar zum Baden lädt. An den vielen Felsen kann frei geklettert werden und die Mutigen springen gar von ihnen runter ins Wasser. Die Menschen, die es hierher zieht, sind unkompliziert, naturliebend, angenehm. Also doch nicht reisemüde?

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