15. Oktober - Matala

18.10.2015

Prolog

Eigentlich wollten wir gar nicht hierher. Mátala ist längst dem Pauschaltourismus verfallen, mit Hotelpalästen überbaut...dachten wir.

Klar, es hat allerlei Volk hier, viele Souvenirläden und mit Griechen kommt man kaum in näheren Kontakt. Das Dorf versucht dem Trend standzuhalten, doch es hat eine offene, gemütliche Atmosphäre. Viele Bäume, Blumen, bemalte Strässchen, überall wird man an die 68-iger Flowerpower Jahre erinnert. Liebevoll geschmückt und sauber. Zum Andenken an die Hippiezeit findet im Dorf jeweils im Juni das Mátala Beach Festival statt.

Romantischer kann man sich einen Strand kaum mehr vorstellen, tagsüber aber auch nachts. Eingebettet zwischen zwei vorspringenden Kaps am Ausgang eines fruchtbaren Tals gegen Westen, liegt die Bucht von Mátala. Wie ein Emmentaler steigt der nördliche Sandsteinrücken zur Rechten, voller Löcher. Es sind Höhlen, in der Jungsteinzeit entstanden. Die Menschen damals schufen ein richtiges Höhlensystem. Schmucke Zwei- bis Dreizimmerwohnungen mit in den Stein gehauenen Kästchen und Liegen.

Die ersten Christen begruben ihre Toten in der Felswand. Zu Hippiezeiten wurden die Höhlen von jungen Menschen aus aller Welt als Wohnungen benutzt. Heute stehen sie unter Denkmalschutz und können für 3€ pro Person besichtigt werden. Nachts ist die gesamte Felsenfront mit Scheinwerfern stimmungsvoll beleuchtet und wirkt dabei wie eine Kulisse, wunderschön. Wir sind froh, dass wir den Ort erst jetzt im Herbst besuchen. Noch immer hat es für unsern Geschmack reichlich Touristen. Im Sommer aber muss es hier von Fremden nur so wimmeln. Dann entleeren sich täglich dutzende von Reisebussen von der Nordküste her, begreiflicherweise!

Wir wandern eine halbe Stunde in der Mittagshitze über den südlichen Sandsteinrücken an die Read Beach. Der Sand dort ist rötlich – gelb, leichte Wellen laden zum Spiel im Wasser, noch ist es warm wie im Sommer. Morgen wollen wir nochmals dahin, dann fahren wir nach Heraklion zum Flughafen, um David zu empfangen. Wir freuen uns auf die Zeit mit ihm!

Jetzt ist David da und mit ihm ein recht bedeckter Himmel. Was tun? Zum Beispiel durch die Agiofárango – Schlucht an den kleinen Kiesstrand wandern. Wir parkieren unser Auto dort, wo die Strasse zu holprig wird und spazieren eine halbe Stunde meerwärts. Zwischendurch nieselt es, trotzdem ist es angenehm warm. Das Meer aber tobt, wirft hohe Wellen an die felsige Küste. David ist der erste, der sich in die wilden Wogen wagt, seinem Beispiel folgen rasch auch andere. Ich schaue der schäumenden Wucht lange und mit viel Respekt zu, zaudere. Dann reicht mir Koni die Hand und zieht mich rein in das Geschehen.

Auch am nächsten Tag geniessen wir die Wellen. Was für eine wuchtige Energie, unaufhörlich zieht sie an Land! Jetzt hat es auch mich gepackt... Wir Drei verbringen eine gute Stunde im Wasser, tauchen unter den Riesenwellen durch oder lassen uns von ihnen ein Stück weit mittragen. Koni, der Fotograf, mit seiner wasserdichten Kamera an der Hand. Doch da kommt eine geballte Wucht auf uns zugerollt, es spült uns kreuz und quer durchs Wasser. Die Kamera hat’s ihm aus der Hand gerissen! Weg, liegt irgendwo auf dem Meeresgrund, das musste ja so kommen!!! Koni eilt aus dem Wasser, holt die Schwimmbrille. Meint er wirklich, dass er die so wieder findet? Aussichtslos in diesem Strudel. Alle suchen wir, spüren mit den Füssen, für etwa zehn Minuten....doch da stehe ich auf etwas Viereckiges, so spüre ich genau, was für ein Glück! Sie ist es, sie funktioniert noch, eine echte wasserdichte Wasserkamera.

Koni: Für die, die es wundernimmt – es ist eine Nikon Coolpix AW 110. Die meisten Fotos schiesse ich mit dieser kleinen, leichten Kamera, weil sie täglich überall mitkommt, und die Qualität stimmt. Nachdem ich sie verloren habe, hat die Kamera unter Wasser weitergefilmt, bis Eva sie wieder aus dem Wasser hob und mir zurückgab. Alles dokumentiert in diesem Video.

Die Kamera ist nach dieser groben Behandlung vollkommen intakt, keine Kratzer, keine Feuchtigkeit, die eingedrungen ist, alles OK. Eine echte Nikon eben.