4. Oktober - Kato Zakros und Umgebung

04.10.2015

Wie uns Roger, der Schriftsteller aus Diafani geraten hat, wollen wir nach Kato Zakros. Das Dorf liegt direkt am Meer. Nur eine Strasse die dahin geht, keine die weiter führt, Endstation. Etwa sieben Restaurants reihen sich dem Strand entlang. In der Umgebung werden Studios angeboten. Weil die Preise im Vergleich zu Diafani völlig überteuert sind, entschliessen wir uns für die billige Variante und landen in einem eher schäbigen Zimmer. Kaum Platz für unser Gepäck, kaum Privatsphäre, mürrische Nachbarn.... Dazu kommt, dass uns in Kato Zakros das Dorfleben fehlt. Der Ort scheint viele französische und englische Touristen anzusprechen. Sie verziehen sich hierher vor der Kälte im Herbst, einige unter ihnen besitzen ein Haus in der Gegend.

Es wird gewandert hier, das merkt man schnell. Kato Zakros, am unteren Ende des Tals der Toten, einer Schlucht, bietet vielfältige und gut signalisierte Rundwege. Die Felswände der Schlucht sind mit kleinen Höhlen durchlöchert, die Minoer benutzten diese als Gräber für ihre Toten. Überall stösst man hier auf Hinterlassenschaften der Minoer: In Kato Zakros, beim Schluchteingang, sind noch Mauerreste des einstigen Palastes zu sehen. Einst lag hier ein wichtiger Hafen für den Handel mit Asien, Ägypten, in jüngerer Zeit wahrscheinlich gar mit Skandinavien.

Orte, an welchen Ausgrabungen zu sehen sind dürfen vom Staat aus nicht weiter überbaut werden. Dieses Gesetz hat auch ästhetische Vorteile.

Ausflug auf einen anderen Planeten

Eines unserer Ziele ist ein Besuch der Tropfsteinhöhle Pelekíta. Wir folgen dem Fernwanderweg E4. Er beginnt am Dorfrand, gut signalisiert. Wie üblich starten wir spät, um 14:00 Uhr. Kein Mensch ist unterwegs.

Gleich zu Beginn ist der Pfad unmissverständlich steinig, die Landschaft stellt man sich so eher auf dem Mond oder dem Mars vor. Eine endlose Steinwüste. Kein Baum, nur Karst mit niedrigen, stacheligen Büschchen, alles ausgetrocknet. Einzig die kunstvollen Steinmannli entlang dem Weg zeugen von menschlichem Dasein. Riesige Steinbrocken liegen unterhalb des einstigen Steinbruchs der Minoer. Träge breitet sich das lybische Meer zu unserer Seite aus. Realität oder Fiktion? 1 ¼ Stunden wandern wir wie durch einen Traum und stehen dann vor der Höhle.

Wie im Reiseführer empfohlen, haben wir Taschenlampen mit dabei, wir sind gespannt auf den Rundgang. Aber nein, es soll nicht sein! Der Höhleneingang ist mit Plastikbändern versperrt, in der Höhle sind Ausgrabungen im Gang, leider...

So wandern wir weitere zweieinhalb Stunden durch die Mondlandschaftund und beenden unseren Rundgang zufrieden und erfüllt von der Entdeckung der uns vor Kurzem noch fremden Landschaft. Einer Landschaft, die man nicht auf den ersten Blick gleich liebt, in die man sich zuerst einlaufen muss.

Oliven, Wasser, Musik...

Jeden Tag unternehmen wir einen Ausflug in die Umgebung, schauen uns die mächtige Quelle oberhalb von Zakros an. Aus ihr sprudeln stündlich 700 Kubikmeter Wasser, die kräftigste Quelle Ostkretas. Mit dem Wasser dieser Quelle werden über 200‘000 Olivenbäume bewässert.

Oder wir wandern durch die Chochlakies-Schlucht an den schönen Kieselstrand von Karoubes und nehmen dort ein Bad. Kein Mensch weit und breit..

Oder wir fahren mit dem Auto ins Hinterland nach Ziros. Wie wir durch das Dorf streifen, hören wir kretische Musik und bemerken zwei Männer in ihrem Laden. Der Eine hat seine Lyra auf den Verkaufstisch gestellt und fiedelt frisch drauf los. Der Andere sitzt eingeklemmt zwischen Dünger- und Samensäcken auf einem Stuhl und spielt Mandoline. Wenn schon nichts im Laden läuft, läuft zumindest schöne Livemusik!

Mit jedem Tag schlagen wir neue Wurzeln an diesem steinigen Ort, für den wir anfangs wenig empfanden..

Männersache

Ein kleiner Nachtrag von Koni

Auf unserer Fahrt von Kato Zakros zur Südküste nach Ierapetra und weiter nehmen wir für einen Abschnitt eine Nebenstrasse, die über die Lassithi-Hochebene führt. Steinig, einsam, karg. Schafe, Ziegen, verstreut kleine Kirchlein, ärmliche Bauernhöfe... Wir kommen an einer Schafherde vorbei, und wir werden Zeugen eines archaischen Schauspiels. Männersache eben.