Endlich wieder auf Karpathos!

22.08.2015

Nach einer Überfahrt von knapp 24 Stunden kommt die Fähre gegen 18 Uhr in Diafani an. Diafani liegt im Nordosten der Insel Karpathos. Wieder hat unser Auto den Fährtransport unversehrt überlebt. Schnurstracks steigen wir ein und fahren zum Hotel Glaros, wo wir bereits die letzten Jahre übernachtet haben. Ist wohl eines unserer Lieblingszimmer Nr. 8 oder 10 noch frei?

Ganz im Gegenteil, das Hotel ist ausgebucht, ebenso sämtliche anderen Zimmer im Ort. Auch nichts frei in den umliegenden Dörfern. In Olympos ist ein Erntedankfest im Gange, das jährlich viele Griechen wie auch Menschen aus dem Ausland anzieht. Das haben wir ganz vergessen, und da lässt sich nichts machen als weiterziehen nach Lefkos. Dem Ort, wo wir bis jetzt immer als erstes hingegangen sind, wenn wir in Karpathos landeten.

Bei Akrogiali – Apartments finden wir einen grosszügigen, schlichten Raum mit gedecktem Balkon, einer Kochnische, preisgünstig. Der Balkon schaut aufs Meer, in 70 Meter Entfernung erreicht man eine Bucht mit Kieselstrand. Glasklares Wasser wie ich es bis jetzt nur in Karpathos gesehen habe, und kaum Touristen. Nachts hört man nichts ausser dem Meeresrauschen, ab und zu kläfft ein Hund. Ein wilder Garten umgibt das Haus, umrankt mit Bougainville, Hibiskus- und Geranienstöcken. Hier wachsen Zitronen, Reben, Feigen, Granatäpfel. Nebenan Tomaten, Auberginen, Kürbisse für den Hausgebrauch.

Abends verwöhnt uns Anastasia, die Vermieterin, mit reifen, süssen Feigen. Eine neugierige Frau in den 70gern, die allerhand von uns Fremden wissen möchte, uns aber auch viel aus ihrem Leben erzählt. Nebenbei betreibt sie einen Minimarket wo wir das Allernötigste kaufen.
Ab und zu sitzt ihr 50 jähriger Sohn Michali mit seinem Freund im Garten und lädt zu einem Gespräch. So kommen wir regelmässig dazu, unsere Griechisch – Kenntnisse anzuwenden und zu erweitern. Michali arbeitet tagsüber in einem Büro, abends hilft er seiner Mutter. Sein Freund im selben Alter hingegen arbeitet halbjährlich in Sidney, das andere halbe Jahr verbringt er in Lefkos. Weil es hier so schön ist, und er auf diese Art immer nur Sommer hat.

Es vergeht keine Woche, und wir fühlen uns hier wie zuhause. Wir erfreuen uns am Klima: windig, warm, sonnig. Meer und Berge.

Wir steigen auf den höchsten Berg der Insel, den 1200 m hohen Kali Limni. Steil ist der Aufstieg, 500 m Höhenunterschied. Oben ein herrlicher Ausblick, östlich tiefblaues Meer, westlich Wolkenschwaden, die wallend von der einen Seite des Berges herauf ziehen, um sich auf der andern Seite ins Nichts aufzulösen. Ein wahres Schauspiel! Gerne würden wir rundherum alles frei sehen, doch das bleibt uns erspart. Es gibt noch andere, die dasselbe im Sinn hatten, ein Paar aus Österreich erreicht den Gipfel. Wir kommen ins Gespräch und machen den Abstieg gemeinsam.

Noch immer schätzen wir die viele Zeit, die uns zur Verfügung steht und genießen es, nach Herzenslust zu schwimmen, lesen, und zu schreiben. Auf der Herdplatte unserer Kochnische kochen wir die besten Gerichte und wir sind uns einig, es braucht wenig Komfort um gut zu leben!