Im Vikos-Aoos-Nationalpark: Zagorochoria

26.07.2015

Zuerst liest man über ein Gebiet im Reiseführer und macht sich darüber seine Vorstellungen. Meist erweisen sich diese als falsch, man ist überrascht. Das gefällt mir am Reisen.

Das Dorf Monodendri liegt am Rande der Vikosschlucht, der tiefsten Schlucht der Welt, 1000 Meter fallen die Felswände in die Tiefe. Hier in den Wäldern der Abgeschiedenheit konnte die Natur sich ungestört und enorm artenreich entwickeln. Auf den unzähligen Wanderwegen trifft man wilde Schildkröten, Schlangen, giftgrüne Eidechsen, Frösche. Es zwitschern verschiedenste Vögel. Es soll hier Bären, Wölfe und Wildkatzen geben. Im Frühling blühen seltene Orchideen und andere vom Aussterben bedrohte Blumen.

Monodendri ist eins der bekanntesten der etwa 46 Zagori-Dörfer. All diese Bergdörfer sind von einzigartiger Bauweise: alte, feudale Herrenhäuser. Aus dem Material der umliegenden Felsen gebaut, die Dächer steingedeckt. Kaum ein Haus bricht den vorgeschriebenen, traditionellen Baustil. Jedes Dorf scheint intakt.

Doch der Schein trügt: Hotels und Restaurants haben schwere Zeiten. Sie alle leben fast ausschliesslich vom griechischen Tourismus. Aber nur wenige Griechen haben zurzeit das Geld für mehrere Tage Urlaub. Damit sie trotzdem noch ein Geschäft machen, werden die Zimmer zum halben Preis angeboten. Des einen Leid, des andern Freud...

Über die vielen Flüsse wölben sich kunstvoll geschwungene, alte Steinbrücken. Brücken mit bis zu drei Bögen. Unglaublich, wie so zierliche Bauwerke den Launen der Wildbäche standhalten.

Doch was wäre die Gegend ohne die alten Klöster! Sie kleben an den Felsen, sind nur mit Schweiss zu erreichen. Die orthodoxen Mönche betreiben dort Selbstversorgung und beten.

Jeden Tag unternehmen wir eine Wanderung und stechen von irgendwoher in die Schlucht hinab. Es ist heiß, wir schwitzen. Geniessen es, uns zu bewegen. Und immer wieder lädt ein Bach zum Bade, wir sind im Element. Eins mit der Natur.